Führung beginnt ohne Wünsche

Neulich im Meeting.
Eine Unternehmerin sagt in die Runde:
„Ich wünsche mir, dass mein Team mehr Verantwortung übernimmt.“
Kaum gehört, zieht sich direkt in mir etwas zusammen. Nicht laut, doch deutlich.
„Ich wünsche mir“ – das klingt weich. Harmlos. Fast sympathisch.
Und gleichzeitig bringt es mich in deutlichen Widerstand.

Weil WÜNSCHEN nichts TUT.

Ein Wunsch hat keinen Adressaten.
Er schwebt irgendwo zwischen Hoffnung, Idealbild und
„Vielleicht passiert es ja irgendwann“.
Und währenddessen bleibt alles, wie es ist. Nicht gut!

Ich habe als Kind früh gelernt, was Übernahme von Verantwortung bedeutet.
Nicht als selbst gewählte Entscheidung, sondern als Notwendigkeit.
In meiner Erinnerung hat mich niemand gefragt, ob ich „bereit“ sei.
Ich war einfach da. Habe funktioniert und getragen.
Vielleicht reagiere ich deshalb so sensibel auf diese Formulierungen.
Weil ich sehr genau weiß, wie sich Verantwortung anfühlt, wenn sie da ist. Sie wartet nicht. Sie meint es ernst.

Nicht falsch verstehen, bitte. Ich mag Verantwortung.
Ich greife oft schneller zu, als es manchmal nützlich ist.
Aus Gewohnheit. Vielleicht auch, weil ich weiß, wie es geht, Verantwortung zu übernehmen.
Und gleichzeitig merke ich:
Genau in diesen Momenten nehme ich anderen manchmal die Möglichkeit, in Führung zu gehen.

Ich kann mich entspannen, wenn jemand anderes klar ist.
Wenn Verantwortung nicht nur an mir hängenbleibt,
sondern bewusst (mit) übernommen wird.
Nicht gewünscht. Nicht gehofft. SONDERN FREI GEWÄHLT.

In Organisationen höre ich diesen Satz häufig:
„Ich wünsche mir mehr Eigenverantwortung.“
„Ich wünsche mir mehr Klarheit.“
„Ich wünsche mir, dass sie mitziehen.“

Und dann frage ich:
„Wem "gibst" du das denn gerade?
Dem Team? Den Umständen?
Dem nächsten Strategiepapier?
Oder einer diffusen Hoffnung, dass Menschen sich irgendwann anders verhalten?“

Führung beginnt nicht mit Wünschen.
Führung beginnt mit Klarheit. Und mit der eigenen Wahl.
Mit einer Entscheidung, mit einem Ziel, das brennt.

Nicht, weil es schön klingt, sondern weil Stillstand keine Option (mehr) ist. Und mit der Bereitschaft, selbst den ersten unbequemen Schritt zu gehen.

Selbstorganisation ist kein Wunschzustand.
Sie ist das Ergebnis von Führung, die Verantwortung nimmt, statt sie weiterzureichen.

MEINE WAHRHEIT:
Wir haben IMMER eine Wahl.
Auch wenn sie Mut abverlangt, wenn sie etwas kostet, wenn sie uns zwingt, uns selbst zu bewegen, bevor andere es tun.

Du kannst dir wünschen, dass sich etwas ändert.
Oder du kannst wählen, wofür du stehst und danach handeln.
Alles andere ist Romantik und Idealismus.
Doch Organisationen brauchen Klarheit.

Was wählst du in dieser Woche –
und wo übernimmst du Verantwortung, statt dir etwas zu wünschen?

Here’s to clarity.
And to choice.
Deine Wiebke

PS.Ich schreibe diesen Newsletter für Unternehmer:innen und Entscheider:innen, die viel Verantwortung tragen und wenig Zeit für echten Denkraum haben.

Es ist mir eine Herzensangelegenheit, Impulse zu setzen, die ordnen, entlasten und neue Perspektiven öffnen – jenseits von Methoden und schnellen Lösungen.

Die Gedanken hier sind Mentoring in Schriftform. Eine Einladung an dich, sie im Führungsalltag in die Praxis zu bringen. Nicht im Sinne von „mehr machen“, sondern bewusster.

Let´s take a different approach.

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