Malle 26 mit Wencke

Ein Abend im Innenhof einer Finca auf Mallorca. Ich hatte mit einem nettem Konzert gerechnet. Mit ein paar Liedern. Jedoch nicht mit dem, was kam.

Dort am Klarvier sitzt eine Singer-/Songwriterin, ihr Name ist Wencke, und spielt ein Lied, das "Du bist noch nicht da" https://open.spotify.com/intl-de/track/2pDTjNAPaHP6PuJoW52BzL heißt. Ihre Stimme ist ganz warm, klar, harmonisch, fast harmlos anmutend. Von wegen! Ich bekomme den Eindruck, ihr unbedingt weiter zuhören zu wollen. Der Text und die Musik ziehen mich in den Bann.

Es geht um nicht weniger als "unsere" Welt, um Gesellschaft und wie wir mit ihr umgehen. Mit Menschen, die noch nicht da sind. Mit dem, was bleibt, wenn wir gehen.

Und während sie singt, kippt etwas in mir.

Ich sitze da als Mama. Mit Kindern, die bereits in dem Alter sind, in dem sie selbst Eltern werden könnten. Vielleicht. Vielleicht nicht. Falls ja, werden diese Kinder in einer Welt leben, die WIR heute gestalten. Sie werden eines Tages auf das schauen, was wir getan haben. Und sie werden Fragen stellen.

Und in diesem Moment, in diesem Innenhof, höre ich diese Fragen bereits, bevor sie gestellt werden.

Was ich vorher noch nicht sehen konnte
Ich trage diese Fragen schon länger mit mir herum. Manche bereits Jahre. Aber sie hatten noch keinen Raum. Im Alltag gibt es kaum Raum für solche Fragen. Sie sind so groß. Sie lassen sich nicht "einfach" lösen.

Also schiebe ich sie weg.

Ich hoffe. Ich hoffe, dass jemand handelt. Die Politik vielleicht. Ich hoffe, dass irgendjemand eine Lösung hat. Ich hoffe, dass "die" Wirtschaft sich selbst korrigiert. Dass alles irgendwie gut wird. Und indem ich das hier schreibe, weiß ich schon, dass das naiv ist.

JEDOCH Hoffen ist nicht nichts. Es ist eine Form von Aufmerksamkeit. Es zeigt, dass ich das Thema gesehen habe.

Aber Hoffen allein ist eben auch noch keine Wahl.

Es ist der Vorraum von Verantwortung. Verantwortung selbst beginnt mit der nächsten Bewegung.

Und genau das hat dieses Lied in diesem Innenhof in mir freigelegt: Das leise, immer lauter werdende Gefühl, dass ich an manchen Stellen bisher länger gehofft als gewählt habe.

WAS WIR WÄHLEN, ERZÄHLEN UNSERE KINDER ÜBER UNS.

Das ist der Satz, den ich auf dieser Workation wirklich verstanden habe.

Intellektuell ist er vorher schon angekommen. Jedoch durch dieses Lied, in diesem Innenhof, an diesem Abend, durch Wencke, ist er körperlich spürbar geworden.

Was werde ich, besonders meiner kleinen Tochter und meinen Enkelkindern, eines Tages sagen, wenn sie fragen, was ich gewusst habe und was ich getan habe? Was werden sie ihren Kindern erzählen? Welche Geschichte wird über unsere Generation existieren?

Und was bedeutet das für dich und für mich?
Vielleicht mehr, als es auf den ersten Blick scheint.

Diese Frage als Mama trage ich anders, als ich sie als Mentorin trage. Als Mama ist sie anders herausfordernd. Als Mentorin ist sie irgendwie scharf und klar.

Als Unternehmer:innen geht es um noch mehr als die Frage, ob unsere Kinder eines Tages stolz auf uns sein werden. Es geht darum,

wie sich eine Gesellschaft, ein ganzes System zu Verantwortung VERHÄLT.

Wir! entscheiden, ob Wertschöpfung in unseren Unternehmen ausschließlich monetär gedacht wird oder ob daneben andere Wertformen Platz haben.
Wir! entscheiden, ob der Beitrag, den wir leisten, sich auf Quartalszahlen reduziert oder ob er weiter reicht.

Denn die rein monetäre Logik kommt an Grenzen. Wir spüren das. Wirtschaft, die nur Wert für Anteilseigner erzeugt, lässt am Ende sich selbst, ihre Mitarbeitenden, ihre Kund:innen und ihre Zukunft erschöpft zurück.

Das ist Beobachtung. Keine Kritik. Es ist ein erkennbares Phänomen.

Plurale Wertschöpfung
.. ist die Idee, dass ein Unternehmen mehrere Wertformen gleichzeitig erzeugt: monetären Wert, ja und auch sozialen, menschlichen, ökologischen, kulturellen UND gesellschaftlichen Wert. Als Bestandteil dessen, was das Unternehmen IST.

Klar, Profitabilität bleibt zentral. Profitable Unternehmen sind die Voraussetzung dafür, dass plurale Wertschöpfung überhaupt möglich ist.
Aber Profitabilität allein ist keine Antwort mehr auf die Frage, die heute durch alle Türen lugt:

Wofür gibt es dieses Unternehmen? Was ist der Anteil für eine freie Gesellschaft? Was ist der Beitrag zu einer "besseren" Welt? Was ist der Fingerprint dieses Unternehmens?

Bei den jungen Mitarbeitenden drückt diese Frage. Bei den Kund:innen drückt sie. Bei den Investor:innen (den klugen) drückt sie auch. Und ehrlich gesagt: bei mir selbst auch.

Was bleibt nach dem Liederabend
Ich bin in diesen Innenhof gekommen mit einem Buch unter dem Arm und einem leeren Kopf. Ich wollte einfach sitzen und einem Lied zuhören. Mehr nicht.

Ich bin herausgekommen mit einer Klarheit, die mir gefehlt hatte:

Wir sind die Generation, die wählen MUSS. Hoffen reicht nicht mehr. Freiheit ohne Übernahme von Verantwortung ist nicht möglich!

Und unsere Wahl wird über die Bilanzen hinaus abgelesen. In dem, was unsere Kinder ihren Kindern eines Tages erzählen.

Über das, was wir gewusst haben. Und über das, was wir getan haben.

Fragen, die mich nicht (mehr) loslassen
Manche dieser Fragen werden Antworten finden. Andere werden noch offen bleiben.

Was werde ich meinen Kindern/Enkelkindern erzählen, wenn sie in zwanzig Jahren fragen, wie mir mit unseren Privilegien umgegangen sind und was unser Beitrag für eine "bessere" Welt war?

Was ist mir Freiheit wirklich wirklich wert?

Wo hoffe ich gerade auf eine Lösung von außen und wo könnte ich mich selbst "bewegen" und selbst die Lösung sein?

Welche Wertformen erzeugt mein Unternehmen jenseits des monetären. Werden sie irgendwo sichtbar gemacht, oder verschwinden sie unsichtbar zwischen den Zahlen?

Wo spüre ich, dass die rein wirtschaftliche Logik an Grenzen kommt und was tue ich mit diesem Spüren?

Here's to clarity. And to choice.
Deine Wiebke

PS. Hier geht´s zum Song von Wencke https://www.youtube.com/watch?v=oEv2qIC1dp4

PPS.Ich schreibe diesen Newsletter für Unternehmer:innen und Entscheider:innen, die viel Verantwortung tragen und wenig Zeit für echten Denkraum haben.

Es ist mir eine Herzensangelegenheit, Impulse zu setzen, die ordnen, entlasten und neue Perspektiven öffnen – jenseits von Methoden und schnellen Lösungen.

Die Gedanken hier sind Mentoring in Schriftform. Eine Einladung an dich, sie im Führungsalltag in die Praxis zu bringen. Nicht im Sinne von "mehr machen", sondern bewusster.

Let´s take a different approach.

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