Wiebke, gib mir bitte einfach ein Rezept, wie ich mein Team führen kann – und ich setze es sofort um.
Isa äußerte diesen Wunsch Ende des Jahres während eines Netzwerktreffens. Und mit diesem Wunsch steht sie lange nicht alleine da. In Gesprächen mit Entscheider:innen höre ich ihn immer mal wieder:
„Sag mir doch mal ganz konkret,
was muss ich tun,
damit mein Team mitzieht?
Damit sie endlich Verantwortung übernehmen?
Einfach ihren Job machen?
Damit es für mich leichter wird und ich meinen Job machen kann?"
Bad news:
FÜR FÜHRUNG GIBT ES KEIN REZEPT.
Auch wenn uns genau das ständig suggeriert wird
und in unsere Feeds gespült wird – mit all diesen Wenn-dann-Versprechen:
„Mache dies – und du wirst jenes erreichen.“
„Verändere Verhalten X – dann folgt Ergebnis Y.“
DOCH VORSICHT.
Das ist der Versuch, Symptome zu behandeln. Wie ein Pflaster auf etwas, das tiefer sitzt.
Am Urkern ändert das nichts. Und echte Führungs-Wirksamkeit entsteht so auch nicht.
ABER: DU KANNST ETWAS TUN.
Etwas, das oft übersehen wird,
weil es unbequem ist und nicht sofort sichtbar.
Du kannst dir die Antwort auf eine entscheidende Frage geben:
Welche Annahmen hast du über dein Team?
Welches Bild trägst du innerlich von den Menschen, mit denen du arbeitest?
UND WAS HAT DAS MIT DIR ZU TUN?
Menschen können nicht nicht kommunizieren. Du auch nicht.
Wir kommunizieren ständig.
Nicht nur mit Worten,
sondern mit Blicken.
Mit Entscheidungen.
Mit Geduld oder Ungeduld.
Mit dem, was wir erwarten. Und mit dem, was unsere Erfahrungen geprägt haben.
TEAMS SPIEGELN FÜHRUNG.
Also:
Was denkst du eigentlich über die Menschen, mit denen du arbeitest?
Denkst du:
„Sie sind träge.“
„Sie denken nicht mit.“
„Ich überfordere sie.“ „Ich muss es am Ende doch selbst machen.“
Oder denkst du vielleicht:
„Sie wollen beitragen.“
„Sie wollen einen Unterschied machen.“
„Sie reagieren auf Rahmenbedingungen – oder auf fehlende.“ „Sie handeln so, wie es für sie gerade sinnvoll erscheint.“
SPOILER:
Sie werden es riechen, was du über sie denkst.
Und mehr noch: Sie werden sich entsprechend verhalten.
Nicht, weil sie „so sind“,
sondern weil du ihr Verhalten interpretierst, bewertest und daraus deine nächsten Schritte ableitest.
Und irgendwann sagst du dann: „Ha – ich hab’s doch gewusst.“
Das nennt man eine
selbsterfüllende Prophezeiung.
Der Fisch stinkt eben vom Kopf zuerst.
Ein alter Satz. Und einer, der erstaunlich oft stimmt.
Denn Wirksamkeit beginnt dort,
wo
DU Einfluss nimmst.
Und du hast nur Einfluss auf eines:
Auf das, was
DU tust.
Und auf das, was
DU denkst.
Gedankenhygiene ist deshalb kein Esoterik-Kram. Sie ist Führungsarbeit.
Beobachte, was sich verändert,
wenn du neue, nützlichere Annahmen über die Menschen in deinem Umfeld triffst.
Nicht naiv.
Nicht romantisch. Sondern bewusst und beobachtend.
Meine nützlichste Annahme über Menschen ist diese:
Sie sind weder gut noch schlecht.
Sie
sind Menschen.
Und jeder Mensch tut in jedem Moment
das, was er oder sie für am nützlichsten hält – auch wenn es von außen manchmal anders aussieht.
Vielleicht liegt genau hier der Anfang von Führung.
Nicht im nächsten Rezept, sondern in den Annahmen, mit denen wir morgens in unsere Teams gehen.
Menschen sind nicht schwierig.
Sie reagieren auf Führung.
Here’s to clarity.
Wiebke